Bikepacking Loire und Normandie – Teil 1

Soviel war klar – der Sommerurlaub sollte dieses Jahr auf dem Rad stattfinden. Beim Ziel schwebte uns eigentlich eine Tour mit Gravelbike und Zelt durch Dänemark und Südschweden vor. Am Rückweg dann eventuell noch ein Abstecher nach Bornholm. Leider änderten sich die Corona-Bestimmungen fast wöchentlich und ein Besuch von Schweden hätte uns vermutlich eine Quarantäne bei der Rückkehr beschert. Zudem gab es für Dänemark die Regel, dass man für eine Woche einen Campingplatz oder Hotel gebucht haben muss um einreisen zu dürfen. Und obwohl es für Radreisende bei der Einreise wohl trotzdem nie Probleme gab, entschieden wir uns dann doch für Plan B. Der führte uns mit dem Rennrad nach Frankreich mit Übernachtung in Hotels.

Mit dem Auto sollte es in die Nähe von Paris gehen. Von dort dann nach Briare an der Loire. Den Loire-Radweg (EuroVelo 6) bis zum Meer. Von dort in den Norden nach Saint-Malo und dann entlang der Küste nach Osten. Ab Dieppe dann zurück zum Auto. 1630 km mit 9700 Hm hatte der Track. Während ich seit 30 Jahren nicht mehr wirklich in Frankreich war, verbringt mein Bruder dort jedes Jahr mindestens ein paar Tage, meist aber eher ein paar Wochen. Auf seinen Rat hin wählten wir die Variante mit Zelt und Campingplätzen. So baute ich die Straßenlaufräder in meinen Crosser ein und schraubte den Gepäckträger an. Karina nahm trotzdem das Rennrad, schließlich hatte ich den Track ausschließlich auf der Straße geplant. Nur der EV6 beinhaltete ein wenig Gravel, der laut Erfahrung anderer aber wohl problemlos zu fahren wäre. Die längsten Gravel-Stücke plante ich trotzdem lieber um.

Komisches Land dieses Franzosien

Nachts um 4 Uhr ging es los. Die Anfahrt recht entspannt mit einigen Pausen über Luxemburg und Belgien nach Senlis. Nahe der Ortsmitte gab es einen Parkplatz für Touristen. Da ich mich seit Jahren an Regel 25 (The bikes on top of your car should be worth more than the car.) halte, machte ich mir auch nicht viel Gedanken um meine Karre. Die Räder waren schnell bepackt und schon ging es los. Nach 45 sehr heißen Kilometern, durch trostlose Landschaft, erreichten wir die Marne und kauften im Supermarkt ein. Den Campingplatz, den Google in der Nähe ausspukte, gab es leider nicht und so suchten wir uns am Marne-Seitenkanal ein geeignetes Plätzchen.

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Tag 2 führte uns zuerst an Disneyland Paris vorbei und dann kam gefühlt erstmal nichts mehr. In Montereau-Fault-Yonne überquerten wir Yonne und Seine am Zusammenfluss. Dann kam wieder nichts mehr. Nur kleine Dörfer und große abgeerntete Felder.

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Dass Frankreich viel weniger dicht besiedelt ist als Deutschland, war mir klar. Aber irgendwie war das gar nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Immerhin schafften wir so problemlos die geplanten 180 km. Denn wo es nichts anzuschauen gibt, braucht man auch nicht halten.

Eurovelo 6

Anders wurde es in Briare. Als wir die Hafenstadt an der Loire erreichten, hatte es auf einmal Touristen und auch sonst gab es Leben in den Straßen. Der Campingplatz (empfehlenswert) war schnell gefunden und nachdem das Zelt stand, hüpften wir gleich mal in den Pool.

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Der Radweg entlang der Loire war am nächsten Tag top und wir kamen gut vorwärts. Zu schaffen machte uns aber die Hitze mit Werten jenseits der 35 Grad. Wir passierten Orleans, natürlich nicht ohne einen Besuch der Jeanne d’Arc und der gleichnamigen Prachtstaße. Einen Platz für die Nacht fanden wir dann am Campingplatz Val de Flux (empfehlenswert) in Beaugency wieder direkt am Wasser.

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Für den nächsten Tag war Regen angesagt und bereits nach einer Stunde fing es zum ersten Mal an zu tröpfeln. Eine längere Regenpause hatten wir in Blois, weswegen wir auch ein guter Kunde beim Crepes- und Kaffeestand im Schlosshof waren. Unter den zahlreichen Plantanen ließ es sich schon aushalten. Als es aufhörte zu tropfen, fuhren wir weiter, was natürlich nicht lange gut ging. Völlig durchnässt gönnten wir uns am 5-Sterne-Campingplatz in Candé-sur-Beuvron eine feste Unterkunft. Für eine Nacht gab es nur ein “Studio” für etwas über 100 Euro. In dem Preis war dann nicht mal WLAN dabei. Auch sonst war der Campingplatz ein ziemlicher Reinfall. Immerhin bekamen wir alles wieder trocken.

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Am Morgen hatte sich der Regen dann größtenteils verzogen, die Wolken begleiteten uns aber bis Mittag. Nachdem wir Tours angeschaut hatten, verließen wir die Stadt fast bei Sonnenschein.

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“Seuchentage”

Die supertollen Radwege der ersten beiden Tage wurden nun immer öfter durch schlechte Stücke mit Buckeln, Flicken und Rissen unterbrochen. Zwischendurch gab es auch immer wieder Gravelstücke, die unsere Reifen aber problemlos meisterten. 10 km nach Tours waren dann dicke und fiese Längsrisse im Teer. Meine Warnung nach hinten war wohl zu leise. Ein Stück weiter hörte ich zuerst einen Reifenplatzer und dann einen Aufschlag. Karina war mit dem Vorderrad eingetaucht und dann gestürzt. Ihr selbst war zum Glück wenig passiert. Eine Prellung am Becken und zwei Schürfstellen. Nach Schlauchtausch und aufdoppeln der beiden Löcher im Mantel (für solche Fälle hab ich immer ein Stück alten Mantel dabei), ging das Vorderrad leider nicht mehr richtig durch die Gabel. Es half nichts, mit dem Schleifen musste es erstmal weitergehen. Ein paar Kilometer weiter flickten gerade zwei Franzosen, die zum Glück einen Speichenschlüssel im Werkzeug hatten. So gut es ging zentrierte ich die Felge und mit nun 5 mm Seiten- und etwas Höhenschlag konnten wir weiterfahren.

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Nach dem Château d’Ussé bogen wir in Richtung Chinon ab, denn der Campingplatz auf der Island Auger (empfehlenswert) – direkt an der Vienne – sah sehr einladend aus. Direkt geegenüber die Burganlage, die am Abend toll beleuchtet war.

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Nach 20 km waren wir bereits wieder an der Loire und nun folgten leider ein paar Schikanen im Radweg. Dieser führte uns zwar durch ein paar schöne Weinberge, bescherte uns aber auch einige heftige Rampen. Den Decathlon in Saumur nutzten wir dann für den Kauf eines neuen Vorderreifens. Die Felge selbst würde wohl durchhalten müssen. Landschaftlich folgte ein sehr schönes Stück durch den Naturpark Loire-Anjou-Touraine. Auch die Stadt Angers hat eine wunderschöne Altstadt und eine tolle Burganlage. Die Nacht verbrachten wir am Campingplatz (war ok) in Rochefort sur Loire.

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Beim Sturz am Vortag hatte sich an Karinas Rad der Steuersatz minimal verstellt. Das Ganze war schnell wieder richtig eingestellt. Trotzdem knarzte in dem Bereich immer wieder mal etwas. Da es die Tasche nicht war, wollte ich mir das Problem bei einer Supermarktpause anschauen. Ich schraubte den Steuersatzdeckel ab und fand einen lockeren Gabel-Extender, der einfach mit aus der Gabel kam. OK, scheinbar den falschen Imbus genommen und gleich den Extender gelockert. Am unteren Ende fehlte aber der Konus. Also Rad auf den Kopf gestellt, damit er rausfallen würde. Er kam aber nicht raus. Mit der Taschenlampe war er in der Gabel auch nicht zu entdecken. Sollte er in einen Gabelarm gefallen sein und sich da verhakt haben? Oder doch unbemerkt auf den Boden gefallen und weggerollt? Wir suchten mindestens eine Viertelstunde alles ab – nichts. Und das natürlich am Sonntag. Da ich Gabel und Vorbau selbst nicht angerührt hatte und alles fest saß, riskierten wir die Weiterfahrt. Wohl war mir dabei natürlich nicht und ich kontrollierte mehrmals den Sitz. Aber alles gut. Tagesziel sollte Nantes sein und da würde es am Montag sicher Hilfe in einem Radshop geben.

40 km weiter sah ich dann in einer Abfahrt im Augenwinkel ein Schild: “Repar´Velo autogere”. Daneben “Fermé”, also geschlossen. Ich kehrte trotzdem um und versuchte mein Glück. Schon bellten mich zwei Hunde an. Zum Glück kam recht schnell eine Frau und beruhigte die beiden. Als sie merkte, dass ich Deutscher bin, rief sie einen Mitbewohner und es stellte sich heraus, dass der Hof eine Selbstversorger-Kommune war. In einer kleinen Holzbude gab es dann allerhand an altem Werkzeug, mit dem man sein Rad selbst reparieren durfte. Das war zwar nicht zu gebrauchen, doch fand ich eine angerostete M6-Mutter und zwei passende Beilag-Scheiben, mit denen ich den Extender fixieren konnte. Trailmagic nennt man das wohl.

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Mit wesentlich besserer Stimmung ging es dann weiter nach Nantes. Der Campingplatz Belle Rivière, am Stadtanfang, bot Platz ohne Ende und ist zu empfehlen.

Ab in den Norden

Am Morgen schauten wir uns Nantes an. Ab hier ist die Loire beschiffbar und entsprechend breit wurde der Flusslauf nun. Nach 30 km standen wir dann auf einmal am Wasser und waren ein wenig überrascht, dass da statt einer Brücke eine Fähre war. Die war erstaunlicherweise kostenlos und fuhr alle 20 Minuten. Auf der anderen Seite dann nahezu endlose Geraden und ab uns zu ein kleiner Ort. Langsam kam die Pont de Saint-Nazaire und somit der Atlantik in Sicht.

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An der Brücke sahen wir ein Hinweisschild, dass es im Ort wohl einen Bus für Radfahrer geben würde, der einen über die Brücke bringt. Aufgrund der guten Erfahrungen mit den motorisierten Verkehrsteilnehmern in den letzten Tagen fuhren wir aber auf dem markierten Fahrradstreifen über die Brücke. In Deutschland undenkbar, dass man Räder hier fahren lässt. In Frankreich wird aber auf Radfahrer Rücksicht genommen und alle hielten viel Abstand beim Überholen. Ein Spaß war es trotzdem nicht. Zumindest bei Wind sollte man lieber den Bus nehmen, sonst wird es abenteuerlich, wenn ein LKW vorbei fährt.

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Auf der anderen Seite wurde es dann sehr schnell wieder ländlich und wir fanden uns auf einem tollen Radweg wieder, der gegenüber vielen kreuzenden Straßen vorfahrberechtigt war. Auch das wohl undenkbar in Deutschland. Seit Tagen kam der Wind aus Südwest. Jetzt ging es endlich nach Norden und wir kamen gut vorwärts.

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Der Campingplatz “Municipal de la Goule d´eau”, südlich von Redon, ist sehr zu empfehlen. Direkt am Wasser und ein Supermarkt ist gleich um die Ecke.

weiter zu Teil 2

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