Alles Merino oder was?

Sieht man sich seit einiger Zeit in Outdoorgeschäften um, so stellt man fest, dass zumindest bei der ersten Kleidungsschicht auf einmal kein Weg mehr an Merinowolle vorbei führt. Ich selbst hatte mich letzten Winter anlässlich der Haute Route so richtig eingedeckt. Eine Woche quasi ohne waschen, da konnte ich es meinen Bergfreunden nicht zumuten, in Plastikfaser aufzulaufen. Die Teile, hauptsächlich aus dem Hause ODLO, die ich bis zu dem Zeitpunkt mein eigen nannte, waren teilweise nach einer Stunde joggen schon nicht mehr zu ertragen. Zwar habe ich auch ein silberionenbeschichtetes Unterhemd, das auch nach mehrmaligen Tragen nicht stinkt, doch seit ich weiß, dass sich die Silberpartikel nach der Wäsche im Wasser ablagern und dort giftig wirken, mag ich keine solchen Produkte mehr kaufen. Also musste es Merino sein. Ein Langarm- und ein Kurzarmshirt, dazu zwei Unterhosen. Alles aus dem Hause Icebreaker. Entsprechende Ski(touren)socken besaß ich bereits. Nach einer Woche in Winterräumen merkte ich dann, dass ich selbst mehr stank als die Klamotte. Von daher hatte ich also das Bestmögliche erreicht.

Es kamen dann später noch zwei Merinojacken dazu, die ich gerne und viel trage, da sie auch im Büro und in der Freizeit ein wesentlich besseres Trageklima bieten als Standardfleece. Jedoch muss ich feststellen, dass Merino nicht überall seine Vorteile hat. Die Haltbarkeit liegt deutlich hinter der von Kunstfaster oder Baumwolle. Auch weiß ich mittlerweile, dass man Merinosocken grundsätzlich eher kleiner kaufen muss, da sie sich noch kräftig ausweiten. Noch keine endgültige Lösung habe ich derzeit, was Unterhosen angeht. Die beiden Icebreaker bekamen beide recht bald Löcher, was wohl daran liegt, dass das 150er Material einfach den Belastungen nicht standhalten kann, die es im Sitzen und beim Laufen aushalten muss. Reibt es doch ständig an der Hose. Die kleinen Löcher waren zwar leicht zu flicken, doch bei einem Listenpreis von 46,- Euro sollte so ein Teil doch länger als einen Winter halten. Auf der Suche nach Alternativen bin ich bei Ullmax gelandet. Dort gabe es eine vergleichbare Hose für 25 Euro, doch war eine davon bereits VOR der ersten Wäsche eingerissen. Ortovox und super.natural kamen für mich nicht in Betracht, weil die einen extrem dicken Bund haben, den ich nicht leiden kann.

Hier mal die Fotos der geflickten Icebreaker Unterhose und des Lochs in der Hotpant von Ullmax:

Geflicktes Loch in Icebreaker

Loch in Ullmax Unterhose

Auf der Suche nach Alternativen stieß ich auf einen interessanten Bericht im Blog von hugsforhikers, wo ich erstmals auf das Thema Mulesing aufmerksam wurde. So wird das Entfernen der Haut rund um den Schwanz von Schafen ohne Betäubung bezeichnet. Man möchte so einen Befall mit Fliegenmaden (Myiasis) verhindern. Alle namhaften Merinohersteller haben mittlerweile ihre Schafbauern verpflichtet, auf dieses tierquälerische Verfahren zu verzichten. Trotzdem machen es wohl noch einige Farmer um den Preis für die Wolle zu drücken. In den Teilen von Icebreaker gibt es den sogenannten Baacode (z.B. 2HL559MM0), wo man auf der Herstellerwebseite nachverfolgen kann, wo die Wolle herkommt. Vor einiger Zeit konnte man dort auch noch sehen, wo die Wolle gesponnen, das Garn weiterverarbeitet und das Endprodukt genäht wird. Mittlerweile landet man mit jeder Abfrage bei einer Auswahl von vier Schaffarmen, wo man schöne Imagevideos anschauen kann. Den für den Endkunden eigentlich interessanteren Teil der Wertschöpfungskette möchte man dem Kunden wohl nun doch lieber wieder vorenthalten. Ich möchte Icebeaker da nichts Böses unterstellen, aber in mir keimt schon der Verdacht auf, dass man mit dem Merionoboom jetzt ein paar Dinge anders handhaben muss als früher.

Im erwähnten Blogbeitrag fand ich auch einen Kommentar von Frank Selter, der dort ein klein wenig Eigenwerbung für seine kleine Firma machte und so kam Kaipara bei mir auf den Schirm.

Kaiparaversteht sich als nachhaltiges Unternehmen für Funktionsbekleidung und Unterwäsche aus bester neuseeländischer Merinowolle” und produziert derzeit ausschließlich im Allgäu. Das Produktsortiment ist augenblicklich noch recht überschaubar und die Designs eher schlicht gehalten. Wen die vielen Erdtöne von Icebreaker aber langweilen und auch nicht auf das Kaperledesign von Ortovox steht, wird hier vielleicht fündig. Nach ein paar Mails mit Frank Selter habe ich auch erfahren, dass natürlich noch mehr geplant ist.

Auf jeden Fall hab ich im Kaiparashop eine Merinounterhose in 200er Qualität gefunden und vielleicht auch einen Hinweis, warum die Teile von Icebreaker und Ullmax nicht lange gehalten haben:

Der Grund für die erhöhte Empfindlichkeit liegt an dem feiner gesponnenen Garn, die mit Abnahme ihrer Stärke ab einem Warengewicht von 180 g überproportional zunimmt. Zwar bleibt die Strapazierfähigkeit in Bezug auf die Dehnbarkeit und Formstabilität erhalten, aber mechanische Einflüsse in Verbindung von Druck und Reibung führen zum Bruch des Garnes.

Mittlerweile habe ich zwei Unterhosen für je 45,- Euro und dazu ein Langarmshirt für 75,- Euro von Kaipara im Schrank liegen. Der Beinansatz der Unterhose ist für meinen Geschmack ein wenig lang geschnitten, aber das bevorzugt eh jeder anders.

Kaipara

Die Haptik ist zumindest schon mal wesentlich besser als bei den Icebreakerteilen. Ich werde berichten, wie sich das Ganze im Langzeittest schlägt.

2 Kommentare zu “Alles Merino oder was?

  1. Frank Selter

    Danke Tom für diesen Blogbeitrag. Wer mehr von uns sehen will oder uns kennenlernen möchte, kann uns am Wochenende auf der Alpinmesse in Innsbruck auf unserem Stand in Halle B.0 Stand 112 treffen. Außer auf Messen ist unsere Ware übrigens nur über unserem eigenen Onlineshop erhältlich. Somit sparen wir zusätzliche Margen für einen Zwischenhandel und geben diese Ersparnis direkt an unsere Kunden weiter. Somit können wir zu Preisen verkaufen, wie ihr sie von den etablierten Markenherstellern gewohnt seid. Und das trotz des hochwertigen Wareneinsatzes und Made in Germany – im Allgäu.

  2. Wolfgang

    Hallo Tom,

    sehr interessanter Bericht.

    Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei einem Warengewicht unter 180g die Löcher viel schneller entstehen. Daneben spielt natürlich auch die Pflege der Merino Unterwäsche eine wichtige Rolle.

    VG Wolfgang

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