7 Radtage in Südtirol und Norditalien

Für den Sommer hatten wir uns frühzeitig eine Woche Radurlaub eingeplant. Das mögliche Ziel wurde ungefähr 847 Mal umgeschmissen. Letztendlich landeten wir erstmal in Burgstall bei Meran, um drei Tage Berge zu fahren und dann wetterabhängig ein neues Ziel zu bestimmen.

Tag 1: Gampen- (1512m) und Mendelpass (1363m) – 94 km mit 1850 Hm
Von Lana ging es super gleichmäßig und nicht zu steil über 18km und 1200 Hm hinauf zum Gampenpass. 13 km Abfahrt nach Fondo und nochmal 360 Hm hinauf zum Mendelpass. Die Straße zur Passhöhe flacht immer mehr ab und spätestens ab der Hälfte ging es aufs große Blatt. Die Abfahrt hinunter nach Kaltern ist fast durchgehend neu geteert, bietet irre Ausblicke und macht viel Spaß. Weiter hinunter nach Bozen und bretteben auf dem Etschradweg zurück nach Burgstall

Tag 2: Stelvio (2757m) und Vinschgauer Höhenweg – 88 km mit 2600 Hm
Von Burgstall aus war uns der Stelvio zu weit und so fuhren wir mit dem Auto nach Laas. Nach 10 flachen Kilometer zum einrollen hinauf zum Stilfser Joch. Die 48 Kehren und 1850 Hm auf 24 km kenne ich mittlerweile schon recht gut und wäre da nicht der viele Verkehr gewesen, hätte es richtig Spaß gemacht. Viele Motorräder, der Bozener Vespa-Club und unfähige Sportwagenfahrer machten die Auffahrt zum Graus. Abschuss war der Lamborghini, der in den Serpentinen rangieren musste. Merke: am Wochenende meiden.

Über Umbrail hinunter nach St. Maria und weiter nach Schluderns. Es folgte das Highlight des Tages. Der Vinschgauer Höhenweg führt 600 Hm nahezu verkehrsfrei hinauf und auf der anderen Seite wieder runter nach Laas. An der höchsten Stelle hat man einen wunderbaren Blick aufs Etschtal und den Ortler.

Tag 3: Umrundung Lago d’Iseo – 82 km mit 380 Hm
Aufgrund der schlechten Wetterprognose zogen wir nach Iseo weiter, um nun per Bikepacking in Richtung Süden zu fahren. Doch zuerst umrundeten wir noch bei bestem Wetter den Iseosee. Von Iseo fuhren wir nach Sulzano und nahmen die Fähre auf die Insel. 22 Euro Hin- und zurück für zwei Personen mit Rad. Viele italienische Urlauber waren unterwegs, die Insel schnell umrundet. Ein ruhiges Cafe findet man auf der Norseite, wo keine Häfen sind. Den Besuch der Insel mit dem Rennrad kann man machen, muss man aber nicht. Vom Kloster am Berg soll der Ausblick toll sein, hätten wir vielleicht einbauen sollen. Die Straße weiter nach Norden und der Radweg nach Pisogne waren gut zu fahren. Mit Rückenwind ging es dann wieder nach Süden. Die zwei Tunnels sind zwar gut beleuchtet, ich hätte aber gerne Licht dabei gehabt.

Tag 4: Iseo nach Mottalunga am Lago Maggiore – 150 km mit 1360 Hm.
Hier ließen wir das Auto stehen. Gepäckmäßig waren wir minimalistisch unterwegs, da schönes Wetter angesagt war und wir nur in Hotels nächtigen wollten. Ich kam mit der Rahmentasche aus und befestigte noch meine Flipflops an der Lenkerrolle, die ich von Sabine übernommen hatte. Sabine hatte ihre Apidura Satteltasche. Leicht wellig ging es zunächst bis zum Lago di Pusiano. Dann hinauf nach Solzago und wieder runter nach Como am gleichnamigen See. Pause im Sartoria Ciclistica (kann man machen, muss man nicht) und rauf nach San Fermo della Battaglia. Von dort wellig fallend nach Varese und nochmal ein kurzer Stich, bevor wir zum Lago Maggiore rollten, den wir noch kurz vorm Wolkenbruch erreichten.

Tag 5: Lago Maggiore nach Voghera – 147 km mit 360 Hm
Am Morgen sah es nach Regen aus, aber laut Vorhersage sollte das Wetter besser werden, je südlicher wir kommen würden. Die Hälfte der wenigen Höhenmeter gab es gleich auf den ersten paar Kilometer. 40 km führte der Track über eine größere Straße, bis es uns zu dumm wurde. Wir bogen ab und fuhren 2 km parallel auf kleinen Straßen über die Felder.

Bei km 90 überquerten wir den Po und es wartete der zweite Anstieg des Tages kurz vor Alessandria. Von hier bogen wir für die letzten 40 km nach Osten ab. Landschaftlich war der Tag nicht besonders aufregend. Feld an Feld, Acker an Acker. Dazwichen alle paar Kilometer ein Dorf mit Bar. Im Tagesziel Voghera liefen wir 3 Pizzerien ab, die alle im Urlaub waren. Der gemeine Italiener verbringt den August halt am Meer oder in den Bergen. Bei einem sehr guten Burger-Brater wurden wir dann doch noch satt.

 

Tag 6: Voghera nach Fidenza – 132 km mit 1430 Hm
Heute sollte es den ganzen Tag über die nördlichen Ausläufer des Apennin gehen. Bei km 20 gleich mal 2 km heftig steil hinauf nach Monalto Pavese. Viele sehr kleine Straßen hielten eine kleine Rampe nach der anderen bereit. Bei km 40 überquerten wir an der höchsten Stelle des Tages die Grenze von der Lombardei zur Emilia-Romagna.

Bei Pianello ging es über den Tidone und wir bogen nochmals ein wenig in die Hügel ab. Wie am Tag zuvor fanden wir lange keinen größeren Supermarkt. Die kleinen Läden hatten von 12-16 Uhr zu. Nothalt mit Snack dann in einer Bar nach 85 km. 30 km weiter fanden wir dann endlich einen Supermarkt, vor dem wir uns den Bauch füllten. Noch zwei nenneswerte Berge und wir erreichten unser Tagesziel etwas ausserhalb von Fidenza. Landschaftlich gab es den Tag immer wieder sehr schöne Ausblicke in die Po-Ebene, die Straßen teilweise sehr abenteuerlich aber gut zu fahren.

Tag 7: Fidenza nach Iseo – 104 km mit 340 Hm
Fidenza mussten wir über eine große Ausfallstraße ohne Frühstück verlassen. Nach 5 km bogen wir ab und ein Stück weiter gab es einen Frühstückstopp. Zufälig waren wir gerade in Roncole, dem Geburtsort von Guiseppe Verdi. In Soarza bei km 38 bogen wir auf die “Via Riviera Po” ab, einen Hochwasserdamm, der die Gegend vor Überflutung schützt. Autofrei und auf gutem Belag ging es so bis Cremona, wo wir den Po passierten.

Nun folgte Kuhdorf um Kuhdorf und selbst die Bars waren sehr dünn gesät. Kurz vor dem Auto dann endlich eine Einkaufsmöglichkeit. Zur Feier des Tages gab es Melone und mein Bauch war am Ende so voll, dass ich kaum noch schnaufen konnte. Die letzten 20 Kilometer zum Auto taten der Verdauung ganz gut.

Fazit: Südtirol mit dem Rennrad an einem Sommerwochenende ist grenzwertig. Norditalien wird in der Po-Ebene auf Dauer sehr meditativ. Im Apennin wird es interessanter, die Straßen leerer und landschaftlich wunderschön. Alles in allem haben wir viele tolle Flecken gesehen, aber auch einige stupide Kilometer abgespult.

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