Bericht: Karwendelmarsch

Im letzten Jahr hatte es terminlich nicht gepasst, wobei sich die Enttäuschung aufgrund des verregneten Wetters dann recht im Rahmen hielt. Für dieses Jahr hatte ich mich frühzeitig angemeldet und den Termin fest im Kalender vorgemerkt. Die Ausgabe der Startunterlagen war schnell erledigt, bekamen wir doch wirklich nur eine Startnummer und Sicherheitsnadeln in die Hand. Den üblichen Stapel Altpapier gab es nämlich erst im Finisherbeutel. Mit dem Gästehaus Olympia in Auland bei Seefeld hatten wir auch noch eine günstige Unterkunft gefunden, die ich nur empfehlen kann. Eine unspektakuläre Pizzeria war gleich ums Eck und so kamen wir noch zu ein paar Stunden Schlaf.

Unser Frühstück um 4:30 Uhr hatten wir dann aber ein wenig knapp geplant. Bedingt auch durch einen Ministau vor Scharnitz und einen Fußmarsch vom Parkplatz kamen wir um 5:45 Uhr zum Start. An einen Platz in den vorderen Reihen war natürlich nicht mehr zu denken. 15 Minuten später fiel der Startschuss für die 2500 Läufer, Walker und Marschierer. Im langsamen Trab setzte sich der Tross in Bewegung und bis zur ersten Steigung nach rund 500 Meter erreichten wir wenigstens einen 6er Schnitt. An diesem, kaum nenneswerten Anstieg gingen dann tatsächlich schon die ersten und bremsten das Feld gleich mal wieder, was den Unmut einiger Mitläufer hervorrief. Wie so oft hatte sich mancher eben wieder viel zu weit vorne eingeordnet und war nun der Meute im Weg. Aber wenn die Strecke noch 50 km lang ist, sollte das einen eigentlich nicht weiter belasten. Bei Kilometer zwei hatte sich das Feld grob sortiert. Gleichmäßig ging es nun zur ersten Verpflegungsstelle und nun ansteigend weiter zum Karwendelhaus. An VP 2 dann die Erkenntnis, dass ich gut daran getan hatte, ordentlich Riegel und Gels einzupacken. Zwar hatte es Obst und reichlich Getränke, Kalorienreiches in schnell verdaulicher Form aber bis auf eine Art selbstgemachten Riegel eher Fehlanzeige. Ist eben alles auf Wanderer ausgelegt. Zu den Riegeln möchte ich noch Verena zitieren, weil sie es so schön auf den Punkt gebracht hat:

Es gab zum Beispiel auch Früchteriegel, zu denen meine Schwester später allerdings sagte, sie sähen aus wie Abführwürfel. Eine gewisse Vorsicht bei der Nahrungsaufnahme war also sicherlich angemessen.

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Nach dem Karwendelhaus folgte das erste Bergabstück hinunter in den kleinen Ahornboden. Während der folgenden 450 Höhenmeter hinauf zur Falkenhütte machte sich nun auch zum ersten Mal die erwartete Hitze bemerkbar. Nach VP 4 folgten drei wellige Kilometer bevor wir uns wieder ins Tal stürzen durften. Auf dem Weg hinunter nach Egg zeigte sich dann die Unsportlichkeit von so manchem Kollegen. Statt auf dem vorgegeben Weg zu laufen, wurde in den Serpentinen mitunter abgekürzt, was das Zeug hält. Verpflegung 5 in Egg bei Kilometer 35 war gleichzeitig Ziel für die kurze Strecke und der Stprecher schon aus weiter Entfernung zu hören. Leider hatte man dem Armen aber wohl keine Starterliste gegeben und so konnte er nur eine Nummer nach der anderen vorlesen :-).

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Nun erwartete uns der schwierigste Anstieg, aber zwei Verpflegungsstellen auf nur 7 Kilometer beruhigten dann doch. Hatten wir bis zur Binsalm noch viel Schatten, so waren wir die letzten 250 Höhenmeter der Sonne voll ausgesetzt. Der Blick nach oben ließ dann auch kein Ende erwarten. Umso überraschter war ich, als plötzlich nach einer Kurve ein Scharte auszumachen war, von der es nun nur noch bergab gehen sollte. Es folgten zwei steile und rutschige Downhillkilometer, die einigen zum Verhängnis wurden. Überhaupt sah man im Ziel ziemlich viele zerschundene Beine, Knie und Ellenbogen. Das Gelände wurde langsam wieder flacher und ab der vorletzten Verpflegungsstelle startete die wilde Jagd. Auf dem steilen Bergabstück war ich deutlich langsamer als geplant und ich sah mein Zeitziel von 6:30 h in Gefahr. So genehmigte ich mir noch ein Gel, steckte den Kopf ein letztes Mal in einen Wassertrog und ließ es rollen. Auf beiten Schotterwegen und dann auf Teer machte ich noch viele Plätze gut. Meine Beine fühlten sich noch frisch an und so konnte ich die letzten fünf Kilometer in 24 Minuten raushauen. Das war aber auch nötig, denn die Uhr blieb im Ziel just-in-time bei 6:29:54 stehen. Platz 166 von 664 Lauf-Finishern war das dann und ich damit sehr zufrieden. Gerade die letzten Kilometer beruhigen mich in Hinblick auf das 24h-Rennen in Geisenfeld und den Marathon in München doch ein wenig.

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Die Zielverpflegung unterschied sich dann von den Verpflegungstellen unterwegs nur dadurch, dass es zusätzlich noch alkoholfreies Weizen gab. Leider aber weder Kuchen noch Cola. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, noch einen Sprung in den Achensee zu wagen. Nach und nach kam unser restlicher Trupp ins Ziel. Vroni hatte auf mich nur 20 min verloren und war im zweiten Teilstück ab Egg sogar eine Minute schneller als ich. Die weiteren UTLW-Finisher Helga, Sabine und Lena liefen kurz nacheinander zwischen 7:40 und 7:50 durch den Zielbogen. Kathi war kurzfristig eingesprungen und meisterte ihren ersten Ultra ebenso in 7:50. Hut ab! Der Tagesschnellste war übrigens Konrad Lex vom Team Luggi. Die Zeit von 4:11:24 ist schon eine ordentliche Hausnummer. Die schnellste Frau war Kristin Berglund in 4:57:03.

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Alles in allem eine super organisierte Veranstaltung, die sich auch gut für den Einstieg in den Ultratrail eignet. Die Landschaft schön, die Anstiege nicht zu lang und die Stimmung im Ziel toll. Genervt hat nur der lange Shuttletransfer zurück zum Start, denn die Fahrt dauerte aufgrund der örtlichen Gegenheiten weit über eine Stunde. Ärgerlich auch, dass der Busfahrer uns erst einsteigen ließ, als genug Mitfahrer eingetroffen waren und wir 20 min in der Hitze warten mussten. Das ist dann nach einem Lauf über 50 Kilometer ebenso unangenehm, wie die Tatsache, dass wir am Ende ein ganzes Stück entfernt vom Start rausgeworfen wurden und wir uns erstmal orientieren mussten, wo wir denn sind.

Diskussionsstoff gab es dann noch ob der Tatsache, dass in der Wanderwertung rund 30 Starter unter 7 Stunden geblieben waren. Der “Sieger” war gar nur 5:44 unterwegs, sprich die Strecke komplett gelaufen. Brauchen manche eine vordere Platzierung auf der Ergebnisliste fürs schwache Ego oder was mag der Beweggrund sein, dass man sich als guter Läufer bei den Wanderern anmeldet?

Nachtrag: Beim Lauf hatte ich eine Actioncam dabei und hab ein wenig gefilmt. Ist schnitt- und regietechnisch nicht der Brüller, aber von der Strecke sieht man trotzdem recht viel:

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