Test: TomTom Cardio Runner

UPDATE Februar 2016: Mit einem Zwangsupdate der Software wurde die Möglichkeit entfernt, die Uhr ohne TomTom-Konto auszuwerten. Man wird nun gezwungen, die Trainingsdaten zum Server der Firma hochzuladen. Eine Synchronisation auf die lokale Festplatte um die Trainingsdaten in einer Drittsoftware zu verwalten funktioniert nicht mehr.

Nachtrag 26.07.2016: Lesenswert dazu der Langzeitbericht von Sportbleibmord: TomTom Laufuhr – Frust statt Lust

Bei einem Spezialisten für Autonavigation wie TomTom liegt es natürlich nahe, auch GPS-Uhren für Sportler auf den Markt zu bringen. Die Cardio Runner verzichtet, wie die kürzlich getestete Epson Runsen SF-810, auf den Brustgurt zur Herzfrequenzmessung und setzt stattdessen auch auf optische LED-Messung am Handgelenk. Die Höhenmessung erfolgt rein über GPS, sprich ohne barometrischen Höhenmesser. Der unverbindliche Verkaufspreis beträgt 229,- Euro, der Straßenpreis liegt nur knapp darunter.

Anmerkung: Diese GPS-Pulsuhr wurde mir vom Hersteller für die Dauer meines Uhrentests leihweise zur Verfügung gestellt.

TomTom Runner Cardio Runner

Der erste Eindruck:
In den Farben rot und weiß ist die Uhr natürlich sehr auffällig. Da der Uhrenkörper selbst aber schwarz ist und die farbliche Komponente über das Band kommt, kann man reichlich variieren. Von dezentem schwarz bis peppigen türkis oder lime kann man alles bekommen. Da nur werkseigene Uhrbänder passen, empfehle ich hier, sich ein Austauschband zuzulegen. Irgendwann wird jede Uhr vom Markt genommen und wie lange dann noch passende Ersatzbänder verfügbar sind ist die Frage. Das Uhrband selbst ist sehr breit und statt einer Lasche für das überstehende Ende wird es mit drei Zusatzstiften in das Band eingehängt, was nicht immer unbedingt aufs erste Mal klappt. Überhaupt ist das Band recht breit und liegt flächig auf, so daß man ziemlich darunter schwitzt. Die Bandabdrücke in der Haut sieht man auch noch eine Stunde nachdem man die Uhr abgenommen hat. Unangehm am Handgelenk wurde die Uhr aber nie. Das Gewicht beträgt 61 Gramm.

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Ungewohnt ist, dass die Bedienung der Uhr über einen extra 4-Wege-Taster unterhalb der Anzeige erfolgt. Dafür steuert man mit ihm am einfachsten von allen Testuhren durch die Einstellungen. Auf Anhieb findet man sich sehr gut zurecht, was das Lesen der Bedienungsanleitung überflüssig macht. Nach rechts springt man in einen Menüpunkt oder bestätigt eine Auswahl. Nach links geht es zurück und die Optionen wechselt man mit den Tasten oben und unten. Einfacher gehts nicht.

Das Display zeigt immer einen Hauptwert an, den man im Aufzeichnungsmodus leicht wechseln kann. Dazu werden am oberen Rand der Anzeige zwei zusätzliche Werte eingeblendet, die man frei definieren kann. Um diese abzulesen benötigt man aber gute Augen. Die Schrift der Hauptanzeige ist sehr groß, der Font aber nicht optimal, so dass die TomTom bei der Ablesbarkeit ein wenig hinter der Epson liegt. Ungünstig auch die Beschriftung der Datenfelder. Die findet sich ganz klein unter dem Messwert. Die folgenden beiden Bilder zeigen recht deutlich, wo das Problem liegt. Im Halbmarathon liegt die Durchschnittspace meinetwegen bei 4:20 min/km. Wenn man dann ab km 15 ermüdet, und nur noch 4:25 oder 4:30 läuft, bekommt man das unter Umständen nicht mit, weil man evtl. die Anzeige auf Durchschnittspace und nicht auf aktueller Pace hat. Gleiches gilt für Puls und Durchschnittspuls, wo man aufgrund des angezeigten Werts auch nicht auf die Einheit schließen kann.

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Trainingseinsatz:
Ist die Uhr am PC angesteckt, holt sie sich mittels QuickGPSfix-Technologie aus dem Internet aktuelle Standortdaten der Satelliten. Möchte man dann sein Training starten geht die Erfassung des GPS-Signals sehr schnell. Bei ca. 10 Trainingsläufen habe ich nie länger als ein paar Sekunden gewartet. Meist war die Position schneller erfasst als der Puls. Hat die Uhr beide Werte kann es losgehen. Intervalle können in Strecke oder Dauer angegeben werden, ebenso die Einlauf- bzw. Auslaufstrecke oder die Pausen. Komplexere Trainings wie Pyramidenläufe lassen sich jedoch nicht programmieren. Die Einstellungen für Intervalle konnten bei keiner anderen Uhr so leicht gemacht werden wie bei der TomTom. Während des Laufes bekommt man sensorisch und akustisch Rückmeldung.

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Das “Rausstoppen” von Zwischenzeiten braucht ein wenig Gewöhnung an die Tasten, da der Hub der Schalterwippe doch recht gering ist und sich diese ja auch unter der Uhr befindet.

Auswertung:
Um die Uhr in die Dockingstation zu stecken muss das Uhrband ein wenig zurückgezogen werden. Wird die Uhr vom System erkannt, werden die aufgezeichneten Trainingsdaten sofort synchronisiert und in Tagesordner als .ttbin und .tcx abgelegt. Optional kann man die Daten im Programmfenster zur Auswertungsplattform von TomTom hochladen. Ich habe die Aufzeichungen aber alle in meinem Runalyze ausgewertet. Die GPS-Aufzeichungen funktionierten recht genau, Aussetzer stellte ich keine fest. Selbst der letzte Wettkampf, der mich auf vier Runden durch die Häuserschluchten der Amberger Innenstadt führte, wurde ohne Aussetzer aufgezeichnet. Auf den freien Stellen durch den Grüngürtel der Stadt gab es bei allen vier Runden kaum Abweichungen. Die engen Gassen hätte aber wohl selbst mein eTrex nicht besser hinbekommen. Probleme gab es mehrmals bei der Herzfrequenz. Im Training stellte ich zwar nie Aussetzer fest, doch bei allen drei Wettkämpfen, die ich mit der Uhr bestritten habe, konnte das Gerät immer die ersten 10 Minuten nicht sauber aufzeichnen. Die Ursache mag vielleicht in der gesteigerten Armbewegung bei hohen Tempo oder dem gesteigerten Schwitzen bei sommerlichen Temperaturen liegen.

Update 26.08.2015: Ich hatte für den Test der TomTom keinen Account beim Hersteller angelegt. Wie ich jetzt erst feststellt habe, speichert die Uhr aber trotzdem ohne bestehende Internetverbindung keine Trainingsdaten auf die Festplatte des PC. Da fragt man sich schon, was da ohne Zustimmung alles im Hintergrund übermittelt wird.

Bei weiteren Tests habe ich die Uhr nun einem Onlinekonto zugeordnet und die letzten beiden Trainings wurden hochgeladen. Nach meinem nächsten Training habe ich die Uhr an einem anderen PC angesteckt, wo die Software zwar installiert ist, ich aber noch nie mit meinen Kontodaten eingeloggt war. Trotzdem wurde die Trainingseinheit ohne Nachfrage in das mit der Uhr verknüpfte Onlinekonto synchronisiert. Das erfolgte ohne meine Genehmigung und scheinbar mit den Informationen die am anderen PC auf die Uhr gespeichert wurden. Ein wirklich böses Foul.

Fazit:
Die Bedienung der TomTom Cardio Runner ist sehr gut gelungen, die Uhr trägt sich beim Sport recht angenehm und die GPS-Aufzeichnung ist sehr genau. Kleine Abzüge gibt es wegen der beschriebenen Abweichung im Wettkampf. Sie ist der optimale Begleiter fürs Lauftraining. Als Dua- bzw Triathlet sollte man sich aber vielleicht die TomTom Multisport Cardio ansehen. Sie bietet neben den Merkmalen der Cardio Runner noch einen barometrischen Höhenmesser, eine Fahrradhalterung und einen Schwimmsensor.

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