Bericht: Über den Biancograt auf den
Piz Bernina (4048 m)

Den Biancograt wollten wir bereits im vergangen Jahr gehen. Leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung und wir mussten das Ganze abblasen. Dass es einen neuen Versuch geben würde war aber klar und so starteten wir nun wieder nach Morteratsch. Nachdem wir den Parkautomat ordentlich gefüttert hatten (8 CHF pro Tag) wanderten wir hinauf zur Bovalhütte auf 2495 Meter, wo wir kurz vor dem Eintreffen noch ein paar Regentropfen abbekamen.
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Erwartungsgemäß war die Hütte gut gefüllt, unsere Reservierung war also angekommen, was nicht ganz sicher war, da wir keine Bestätigungsmail bekommen hatten. 1. August, Nationalfeiertag in der Schweiz. Die Maskierung der Hüttenmädels war schnell enrätselt. Scheinbar ist aber der Schweizer Nationalfeiertag gleichzeitig ein Fastentag – das Hüttenessen eher dürftig. Zeitig nach dem Essen ging es für uns ins Lager.

Intro: Piz Morteratsch (3751 m)
Frühstück um fünf und noch vor Sonnenaufgang ging es los. Die ersten Meter folgten wir einem Trampelpfad, der sich dann irgendwann in Wohlgefallen auflöste. Seit unserem Besuch im letzten Jahr war irgendwann eine Moräne abgegangen und statt einem Weg war da nur noch Blockgelände und Schutt, über den wir uns in Richtung Fuorcla da Boval durchkämpften. Weiter oben dann wieder eine einfache Kletterei, die wir bereits kannten. Auf dem Sattel kamen dann die Steigeisen zum Einsatz. Nach einem Stück auf dem wenig ausgesetzten Firngrat erreichten wir nun die Stelle, an der wir bereits im Vorjahr vor der Entscheidung standen, ob wir die Spalte rechts oder links umrunden sollten. Wir entschieden uns für die bekannte, rechte Variante und stellten aber nach ein paar Höhenmetern schon fest, dass der Firn vom Vorjahr in diesem Jahr nicht vorhanden war und es teilweise nur Blankeis gab. Zudem war die Sicht sehr schlecht. Als wir bereits wieder absteigen wollten hellte es etwas auf und der Gipfelgrat war nun auszumachen. Ok, also doch weiter. Jeder Schritt wollte gut gesetzt sein und trotzdem kam es, wie ich es unbedingt vermeiden wollte. Mein Steigeisen hielt nicht und ich rutschte 15 Meter ab, bevor mein Pickel dann wieder richtig griff und die Rutschpartie zu Ende war. Als wir dann endlich auf dem Grat waren beruhigten sich meine Knie aber wieder und wir trafen auf die Alternativspur, die alle anderen genommen hatten.

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Pünktlich zum Gipfelglück hatte das Wetter ein Einsehen und für ein paar Minuten gaben die Wolken den Blick auf den Biancograt frei. All die spektakulären Aufnahmen, die man so im Internet findet sind vom Morteratsch aufgenommen und natürlich drückten auch wir einige Male auf den Auslöser. Für den Abstieg schlossen wir uns der großen Herde an und wählten diesmal die leichtere Variante. Über den Tschierva-Gletscher erreichten wir dann irgendwann eisfreies Gelände. Ein Weg war dort wie im letzten Jahr aber nicht wirklich zu finden, der Abstieg führte uns wieder kreuz und quer durchs Gelände, bis wir eine kleine kettenversicherte Leiter erreichten, von wo uns dann ein Weg bis zur Tschierva-Hütte führte. Auch diese neu renovierte Hütte kannten wir aus dem Vorjahr. Das Essen deutlich besser als tags zuvor und für 5 CHF gibt es sogar für 2 Minuten warmes Wasser in der Dusche.

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Über den Biancograt auf den Piz Bernina (4048 m)
Nach einer kurzen Nacht, die für den Großteil der Hüttengäste von einem Frühstück um drei Uhr beendet wurde, starteten wir erneut bei Dunkelheit. Der Weg war auch im Licht der Stirnlampen sehr leicht zu finden. Eindeutige Wegweiser an den beiden Abzweigungen und dazwischen immer wieder angeschraubte Reflektoren ließen keine Zweifel offen. Nach gut eineinhalb Stunden legten wir am Schneefeld unterhalb des Piz Prievlus nun zum ersten Mal Steigeisen an, die wir bis hinauf zur Scharte Fuorcla Prievlusa (3430 m) benötigten und nach 2:45 h erreichten. Nun folgte eine knappe halbe Stunde Kletterei im zweiten und kurzzeitig dritten Grad, die wir komplett frei meisterten. Da viele Seilschaften hier die schwierigsten Stellen absicherten konnten wir einige Gruppen überholen und lagen nun im vorderen Drittel der rund 50 Alpinisten, die mit uns gestartet waren. Nun wartete der beeindruckende Firngrat hinauf zum Piz Bianco auf uns. Um auf den Grat zu gelangen mussten wir aber erst noch einige Meter Blankeis bewältigen. Technisch wenig schwierig, dafür umso spektakulärer und kräftraubend folgten wir nun rund drei Stunden dem Grat bis hinauf zum Piz Bianco. Kaum akklimaisiert musste ich in der dünnen Luft hier auf knapp 4000 Meter mein Tempo gewaltig reduzieren und immer wieder kurz verschnaufen. Während einer Pause auf dem Piz Bianco (3995 Meter) verstauten wir die Steigeisen wieder um dann die letzten 60 Höhenmeter hinauf zum Piz Bernina hinter uns zu bringen. Zunächst ging es auf dem luftigen Grat aber ein wenig nach unten. Zwei Stellen sicherten wir mit dem Seil, den Rest kletterten wir frei. Bei der dünnen Luft war für mich in dem ausgesetzten Gelände höchste Konzentration gefragt.

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Panorama Piz Bernina

Auf dem Bernina verweilten wir dann eine halbe Stunde. Als dann die folgenden Gruppen nachrückten wurde es Zeit für den Aufbruch. Genau sieben Stunden waren nun vergangen als wir uns auf den Abstieg über den Spallagrat machten. 20 Minuten benötigten wir für die leichte Kletterei hinüber zum Gipfel La Spedla. Der ist zwar 4020 Meter hoch, doch fällt er als eigener Gipfel nicht weiter auf. Wir kletterten weiter ab und mussten dabei zwei kleine Schneefelder überqueren, bis wir schließlich die beiden gut eingerichteten Abseilstellen erreichten. Unser Seil mit 50 Meter reichte jeweils genau bis zum Wandfuß, wo man wieder weitergehen konnte. Nach der zweiten Abseilerei waren es dann nur noch ein paar Meter bis die Kletterei endgültig zu Ende war. Für die letzte halbe Stunde über den Gletscher seilten wir uns dann nochmals an und erreichten nach genau zehn Stunden unser Tagesziel, das Refugio Marco e Rosa auf 3610 Meter.

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Panorama Marco e Rosa

Ich muss zugeben, dass ich nach dem kleinen Rutscher am Vortag ordentlich Respekt vor dem Biancograt hatte. Letztendlich hat es mich dann eher körperlich als mental an die Grenze geführt. Fabi und Elmar waren diesmal deutlich schneller unterwegs als ich, was normalerweise nicht unbedingt so ist. Schneller unterwegs aber wohl vor allem deswegen, weil ich zu wenig akklimatisiert war und stundenlang nach Luft hechelte. Ein Tag mehr in der Höhe wären deutlich von Vorteil gewesen, schon allein in der Hinsicht, dass ich dann diese wunderschöne und unvergessliche Tour mehr hätte genießen können.

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2 Antworten

  1. Reini sagt:

    Omanno, Glückwunsch und Hut ab, feine Sache!

  2. Alex sagt:

    Gratulation zur schönen Tour, wir waren 2013 dort unterwegs und hatten nahezu perfekte Bedingungen.

    Siehe hier: http://alexanderneng.de/wp/impressionen-aus-dem-festsaal-der-alpen/

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