Bericht: Neideck 1000 – FS-Trailissimo

Wie ich ursprünglich auf den Lauf gekommen bin, kann ich gar nicht mehr sagen. Die Randdaten und der Ort haben mich aber gleich begeistert. Die Gegend um Pottenstein kenne ich schon seit Jugendtagen, denn einen Ausflug in die Teufelshöhle muss / darf bei uns wohl fast jeder in seiner Schülerzeit mal machen. Und da die Fränkische Schweiz ja auch Hauptklettergebiet der Nordbayern ist, war ich immer mal wieder in der Gegend und wusste, dass es viele schöne Trails gibt. Das Event letztendlich war wohl gedacht, um die Wanderwege um Wiesenttal ein wenig bekannter zu machen. Der Lauf mit 22 km und eben 1000 Höhenmeter nicht sonderlich lang und ohne weitere Vorbereitung zu absolvieren. Und bei einer Startgebühr von 15 Euro sagten auch die Vereinskollegen sofort zu. Und erwartungsgemäß waren die gerade mal 50 Startplätze nach kurzer Zeit vergeben.

Neideck 1000

Zu fünft waren wir angereist und die Startnummernausgabe vor Ort schnell erledigt. Auch für Tina hatten wir noch einen Nachmeldeplatz bekommen. Pünktlich um 10 Uhr erfolgte der Start und auf ein paar Metern über die Wiese zog sich das Feld schnell auseinander. Vor dem ersten Kilometer dann ein kleiner Stau an einer engen Treppe. Unverständlich, warum man sofort motzen muss, wenn man 50 Meter nicht überholen kann, ist halt nun mal nicht mehr Platz auf so einem Singletrail. Im Ziel war der eifrige Sportsfreund dann übrigens rund 10 min hinter all denen, die ihm am Anfang zu langsam waren.

Neideck 1000

Christian war erwartungsgemäß vom Start weg in einer Gruppe weiter vorne. Wolfgang und ich liefen dagegen zusammen. Bis Kilometer 3,5 überwanden wir den längsten Anstieg des Tages, wobei lang bei 200 Hm natürlich relativ ist. Oben angekommen lief auf einmal Christian vor uns wieder in den Weg rein. Hier sollte sich schon abzeichnen, was den heutigen Tag bestimmen sollte. Die zierlichen Wegweiser des Rundwanderwegs waren nur ab und zu durch zusätzliche Schilder ergänzt worden und die Wegsuche dadurch eine Herausforderung. Nach der Dorfdurchquerung in Engelhardsberg erreichten wir bei Kilometer 5 die Riesenburg. Steil ging es durch den riesigen Bogen der Versturzhöhle nach unten. Unten angekommen erreichten wir die erste Verpflegungsstelle.

Neideck 1000

Entgegen der Ankündigung warteten befüllte Becher auf uns, die wir aber erstmal ignorierten. Nach ein paar flachen Metern ein Linksschwenk und parallel zur Downhillpassage wieder steil nach oben. Als uns dann Läufer entgegen kamen, zweifelten wir etwas, doch Wolfgang kannte die Strecke bereits von einem Trainingsbesuch, zeigte uns die folgende Abzweigung und rief auch den Entgegenkommenden zu, wie es weiterging. In deren Gesicht sah man nämlich auch Verwirrung. Es folgten 200 Meter auf ekelhaftem Rasenpflaster, auf dem ich den Anschluß an meine Vierergruppe verlor. Der folgende Singletrail machte dagegen richtig Spaß und ich ließ es bergab rollen, auch wenn es auf dem nächsten Foto nicht so aussieht. 🙂

Neideck 1000

Langsam holte ich wieder auf, als auf einmal der Weg zu Ende war. Kurz stand ich ratlos rum, doch ein nachfolgender Läufer wies mir nun den Weg. Etwas ungläubig schaute ich in das dunkle Loch, auf das er zeigt. Da rein? Ich erinnerte mich an Wolfgang, der beim Start irgendwas von einer Höhle erzählte, als wir ihn auf seinen LED-Schlüsselanhänger am Rucksack ansprachen. Also rein ins Loch. Breit war sie ja, diese Oswaldhöhle und nach einem kleinen Knick nach 20 Meter erahnte man bereits wieder das Ende.

Neideck 1000

Ein ständiges Auf und Ab folgte nun bis Kilometer 13, auf der ich schnell wieder auf Wolfgang aufgeschlossen hatte. Auf dem nächsten Kilometer nach oben wurden wir von zwei Läufern in schnellem Tempo passiert, doch holten wir uns die auf der langen Downhillpassage nach Streitberg wieder. Hier wartete bereits die vierte Verpflegung, die ich gern in Anspruch nahm. Dummerweise hatte ich mich nämlich für ein Langarmshirt entschieden, was sich als viel zu warm rausstellte.

Neideck 1000

Hinauf zur namensgebenden Burg Neideck wartete der letzte Anstieg auf uns. Wolfgang kündigte nun an, das Tempo rauszunehmen und wären da nicht die drei Burschen kurz vor uns gewesen, hätte unser Laufausflug wohl recht gemütlich geendet. So setzte ich mich von Wolfgang ab und nahm die Verfolgung auf. Vor dem abschließenden Downhill hatte ich die drei überholt und bergab konnte ich mich gut absetzen. Leider bog ich dann kurz vor dem Ziel falsch ab und drehte eine Extrarunde von 100 Meter, was mir dann einen meiner hart erkämpften Plätze kostete. Nach 2h 13 min erreichte ich das Ziel und landete auf Gesamtplatz 10.

Neideck 1000

Christian war als Sechster eingelaufen und Wolfgang folgte auf Platz 13. Auch Sabine und Tina waren bereits da. Sie hatten als Schlusslichter den Sichtkontakt nach vorne verloren und irgendwann eine Abzweigung verpasst. Nach der halben Strecke war daher für sie das Rennen zu Ende und sie folgten den Wanderwegweisern zurück zum Start.

Neideck 1000

Das Zielbuffet war dann sehr gut und reichlich. Natürlich folgte ein reger Austausch, wer alles wo mal falsch abgebogen war usw. Vom 5 Euro Gutschein aus dem Starterbeutel genehmigten wir uns dann noch einen Kaffee im Ort, warteten die späte Siegerehrung dann jedoch nicht mehr ab. Das Wetter im Freien war einfach zu schön.

Fazit: Dieser Lauf hat wirklich Spaß gemacht. So abwechslungsreich und landschaftlich schön wie hier habe ich noch keinen Wettkampf erlebt. Keine übertrieben schweren Passagen mit großen Stufen, alles gut laufbar. Viel Singletrail, unterbrochen von kurzen unvermeidbaren Teerstücken und ständiges Auf und Ab.

Fürs nächste mal hat der Veranstalter gelobt, anständig auszuschildern und als Trost bekamen die fünf Läufer, die sich verirrt hatten, einen Freistart für kommende Jahr. Top!

Fotos: Wolfgang Schleicher, Erika Fichtl, Peter Fecher, Simon Hohe, Jörg Ankenbrand

Alle Ergebnisse und mehr Fotos

Und noch das Höhenprofil:

neideck_hoehenprofil

Ein Kommentar zu “Bericht: Neideck 1000 – FS-Trailissimo

  1. Yvan

    Alter Schwede – Echt klasse Leistung und auch die Umebung (besonders die Höhle) sieht sehr cool aus. Ich wäre wahrscheinlich nach den ersten 200 Höhenmeter schon am Ende gewessen.. Top, weiter so!

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